Ministerin Reiche ignoriert Studie des eigenen Ministeriums

Was die Studie zeigt
Anfang 2026 veröffentlichte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) eine Studie, die es selbst in Auftrag gegeben hatte. Drei renommierte Forschungsinstitute (s.u.) untersuchten für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands, welche wirtschaftlichen Effekte der Ausbau von Wind- und Solarenergie hat.
Das Ergebnis ist eindeutig. Erneuerbare Energien sind weit mehr als Klimaschutz. Sie sind ein handfester Wirtschaftsmotor für Regionen wie z.B. den Harz.
Direkte Wertschöpfung durch Wind & Solar bereits 2023
Mögliche Wertschöpfung bis 2033 beim Erreichen der Ausbauziele
Vollzeitarbeitsplätze bis 2033; das sind mehr als doppelt so viele wie heute
Bis zu 55 Prozent dieser Wertschöpfung (aus Gewerbesteuereinnahmen, Pachterlösen, Löhnen und Gewinnen lokaler Unternehmen) kann direkt in den Standortregionen verbleiben. Bis 2033 könnten über 12 Milliarden Euro jährlich vor Ort bleiben und gezielt strukturschwache Regionen entwickeln.
Pioniere zeigen, was möglich ist
Die Studie analysiert fünf Gemeinden, die den Weg bereits gegangen sind und belegt damit, was auch im Harz möglich wäre:
Diese Kommunen haben Bürgerinnen und Bürger früh eingebunden, kommunale Flächen aktiv genutzt und auf Bürgerenergiegesellschaften sowie Energiegenossenschaften gesetzt. Die Studie belegt, dass genau diese Beteiligungsformen nicht nur Akzeptanz schaffen, sondern die Wertschöpfung vor Ort halten.
Der Ausbau Erneuerbarer Energien kann ein entscheidender Hebel für bessere Lebensverhältnisse vor Ort sein.
Was Ministerin Reiche daraus macht: nichts
Hier beginnt der Widerspruch, der auch uns als Bürgerenergie Harz direkt betrifft. Denn während die vom Ministerium beauftragte Studie klare Handlungsempfehlungen ausspricht, treibt Ministerin Katherina Reiche (CDU) Gesetze voran, die genau das Gegenteil bewirken.
| Die Studie empfiehlt | Ministerin Reiche plant |
|---|---|
| Bürgerbeteiligung stärken, Energiegemeinschaften vereinfachen, Bürgerenergiegesellschaften fördern. Damit bleibt mehr Wertschöpfung vor Ort. | Eine EEG-Novelle, die Bürgerbeteiligung erschwert. Sie bremst die Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende gezielt aus. |
| Ausbau, insbesondere Windkraft, zu beschleunigen. Die Bundesziele (115 GW bis 2030) werden noch deutlich verfehlt. | Ein Netzpaket, das den Zubau von Wind- und Solaranlagen an den hinterherhinkenden Netzausbau koppelt. Damit werden weite Teile des Landes für neuen Ausbau faktisch gesperrt. |
| Kommunen besser bei der Flächenausweisung mitreden lassen und strukturschwachen Regionen Investitionen in Erneuerbare Energien ermöglichen. | Investoren werden mit unkalkulierbaren Risiken konfrontiert. Für Regionen wie den Harz bedeutet das: ausbleibende Investitionen, entgehende Gewerbesteuer, keine neuen Arbeitsplätze. |
Was das konkret für Bürgerenergien bedeutet
Bürgerenergiegesellschaften werden strukturell benachteiligt. Die geplante EEG-Reform erschwert die Gründung und den Betrieb von Energiegenossenschaften. Lokale Akteure, die, wie die Beispiele aus der Studie zeigen, die Wertschöpfung am effektivsten vor Ort halten, werden gegenüber Großinvestoren systematisch schlechter gestellt.
Die Studie belegt, dass bereits heute knapp 45 Prozent der Wertschöpfung aus Erneuerbaren Energien abfließen, weil Großanlagen oft externen Investoren gehören. Bürgerenergiegesellschaften sind das wichtigste Instrument, um diesen Abfluss zu reduzieren. Reiches Politik würde genau dieses Instrument stumpf machen.
Konkret drohen folgende Konsequenzen für Initiativen wie die Bürgerenergie Harz eG:
Weniger Planungssicherheit: Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket kann Projekte nachträglich abriegeln. Für Bürgerenergiegesellschaften, die auf langfristige Finanzierungen angewiesen sind, ist das nicht tragbar.
Höhere Einstiegshürden: Wenn Förderkonditionen verschlechtert und Beteiligungsrechte nach §6 EEG geschwächt werden, fehlt Bürgergesellschaften die wirtschaftliche Grundlage, um mit Großinvestoren in der Flächenausweisung zu konkurrieren.
Verpasste Regionalentwicklung: Die Studie zeigt, dass z.B. pro Windenergieanlage mehrere zehntausend bis über hunderttausend Euro Pachteinnahmen langfristig und verlässlich möglich sind. Wird der Ausbau gebremst, entgehen dieses Geld und die damit finanzierbaren Investitionen in Infrastruktur und Daseinsvorsorge den Kommunen des Harzes dauerhaft.
Wenn Bürgerenergien nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, profitieren am Ende nur Großkonzerne von der Energiewende und das Geld fließt aus unserer Region ab.
Unsere Forderung
Die Bundesregierung hat diese Studie selbst beauftragt und bezahlt. Ihre Erkenntnisse müssen die Grundlage der Energiepolitik sein und nicht das Gegenteil davon. Wir fordern Ministerin Reiche auf, die Ergebnisse ihrer eigenen Forschungsarbeit ernst zu nehmen und die geplanten Einschränkungen für Bürgerenergiegesellschaften, die EEG-Beteiligung und den Netzausbau zurückzunehmen.
Eine Energiepolitik, die die Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien aus unseren Regionen abzieht, ist keine Wirtschaftspolitik für den Harz. Sie ist Wirtschaftspolitik gegen den Harz.